Physioteam Würzburg
 

Krankengymnastik Wissenswerte Fachinformationen

Wir bieten Ihnen Hintergrundwissen zu folgenden Themen:


 

Yogaatmung und Yogaübungen – Formen der Stressbewältigung

Zur Geschichte des Yoga
Das Wort Yoga kommt aus dem Indischen und bedeutet so viel wie„Joch“.
Gemeint ist damit die Kunst der Selbstmeisterung. Der Zustand, in welchem sich der Mensch im Yoga befindet, kann im übertragenen Sinn als „dem Göttlichen verbunden“ oder „unter dem selben Joch wie das Göttliche“ verstanden werden.
Erste Spuren und Hinweise fanden sich bereits im Indien der Frühgeschichte vor ca. 5000 Jahren. Weitere 2000 Jahre vergingen, ehe die damals immer mündlich von den Meistern weitergegebenen Erfahrungen erstmalig in den sogenannten „ Yoga-Sutras“ ( Yoga-Merksprüche) niedergeschrieben wurden.
Diese Yoga-Sutras gelten auch heute noch als klassische Grundlage.
Kernstück dieser Yoga-Sutras ist ein logisch aufgebauter Pfad, der die Selbstvervollkommnung des Menschen und eine unerschütterliche und gleichmütige Geisteshaltung zum Ziel hat:

Er enthält Richtlinien
• für ethisch-moralisches Verhalten und für die Körperhygiene,
• für die Ernährung und die Haltung,
• für die Regulierung und Rhythmisierung der Atmung und deren Wechselwirkung mit emotionalen Zuständen sowie
• verschiedene Konzentrations- und Meditationsübungen

Die Yoga-Sutras wurden später durch verschiedene Einflüsse weiterentwickelt und an die unterschiedlichen Bedürfnisse angepasst. So unterscheidet man vier traditionelle Hauptarten des Yoga:
Jnana-Yoga, Bhakti-Yoga, Raja-Yoga und Karma-Yoga.
Jede Yoga-Art weist jedoch eine Unzahl von Varianten auf und so wird die Abgrenzung schwierig.

Das klassische Modell des Yoga, das vorwiegend auf die Beherrschung der geistigen Kräfte des Denkens und des Bewußtseins gerichtet ist, wird in Indien als Raja-Yoga (königlicher Pfad) bezeichnet und meint ein Yoga der verinnerlichten Konzentration.

Die wohl bedeutendste neuere Schule ist der Hatha-Yoga (Yoga der Körperbeherrschung),.
Er umfasst zwei Komponenten: Die körperliche Komponente, die aus Asanas (Stellungen) und Pranayama (gelenkter Atmung) besteht und die gleichermaßen bedeutsame geistige Komponente.

In der heutigen Zeit anerkannte Methoden, wie das autogene Training oder die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, lassen ebenfalls Elemente des Yoga erkennen oder wurden aus dem Yoga entwickelt.

Grundprinzipien des heutigen, westlichen Yoga
Yoga ist keine Alternative zu sportlicher Betätigung, jedoch eine sehr sinnvolle Ergänzung.
Wer sich mit Yoga beschäftigt, entwickelt Kenntnisse und Erfahrungen über die eigenen körperlichen, psychischen und geistigen Funktionen und Möglichkeiten. Fähigkeiten der Selbstkontrolle und Selbstregulation können erprobt und erlernt werden.
Diese Erweiterung der Wahrnehmung und die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf sich selbst führt beim Anwender zu interessanten Erkenntnissen über die Funktionsweise des vegetativen Nervensystems und gibt Möglichkeiten der Beeinflussung auf der Ebene der vegetativen Steuerung, wie auch im Hinblick auf Konflikt-bewältigungsstrategien, Umgang mit negativen Emotionen, ja führt in der Endkonsequenz zu einer Harmoni-sierung der gesamten Persönlichkeit.
Dies kann in unserer heutigen „zivilisierten“ schnelllebigen Welt einen Ausweg darstellen, eine Möglichkeit, mit den Nachteilen dieser stressbelasteten Lebensweise bestmöglich umzugehen.


Wir haben alles, was unser Herz begehrt :stets Nahrungsmittel im Überfluss und in allen denkbaren Geschmacksrichtungen, die Pillen für den Stuhlgang und zum Abnehmen, wir leben komfortabel in klimatisierten Räumen und im Büro bewegen wir stundenlang nur noch die Finger auf der Computertastatur, wir fahren Fahrstuhl, Rolltreppe und schnelle Autos und haben keine Zeit, dafür aber jede Menge Stress.Dem kann abgeholfen werden mit Beruhigungs- und Schlafmitteln, gegen Schmerzen gibt es Pillen und wenn es gar nicht mehr geht, begeben wir uns zum Spezialisten, der die Schäden repariert.....
Dies trifft vor allem Menschen in verantwortungsvollen Tätigkeiten, die nichtzuletzt auch einem ständigen Termindruck ausgesetzt sind.
Wir wollen uns nicht eingestehen, dass Krankheit oft ihren Ursprung in Nachlässigkeit, Unkenntnis,Bewegungs-mangel und der Missachtung natürlicher Gesetze hat.


Der achtsame und verantwortliche Umgang mit dem eigenen Körper ist dabei so einfach zu realisieren.
Dies unterliegt weder einer Gesundheitsreform, noch sind damit hohe Kosten und Zuzahlungen verbunden!!

 

Yoga, eine Stressbewältigungsstrategie

Das vegetative Nervensystem
Das vegetative Nervensystem in unserem Körper funktioniert unabhängig von unserem Willen und regelt die Vitalfunktionen, wie z.B. Atmung und Verdauung, Stoffwechsel und Sekretion, den Wasserhaushalt, die Spannung des Bindegewebes, die Grundspannung der Muskulatur und auch die Durchblutung.
Der Sympathikus ist der Teil des vegetativen Nervensystems, der uns bereit macht für jegliche Form von Aktivität, der Parasympathikus dagegen reguliert die Regenerationsphasen, wie z.B. Nahrungsaufnahme, Verdauung, ja auch den Schlaf. Beide Anteile befinden sich beim gesunden Menschen in der Balance (Homöostase)

Was ist Stress ?

Bei Stress ist die Balance permanent in Richtung der sympathikotonen Reaktionslage verschoben, d.h. der Betroffene steht ständig unter Hochspannung Eine Relaxation und Regeneration erfolgt nicht in ausreichender Form.

Die Stressreaktion ist jedoch individuell verschieden und abhängig von der Konstitution des Einzelnen, vom Repertoir an sozialen Problembewältigungsstrategien und von Komponenten der Persönlichkeitsstruktur, wie z.B. der Frustrationstoleranz oder von Komponenten auf der Reaktionsebene, wie z.B. Beurteilungsfähigkeit, Problemlösungsverhalten, Ängste und dgl.
Interessant ist vor allem die physiologische Komponente.
Bei Stress wird der Stoffwechsel stimuliert und vor allem Adrenalin ausgeschüttet, jedoch auch die Funktion der inneren Organe reduziert und bei längerem Fortdauern die Immunabwehr gesenkt.
Dieser Prozess birgt langfristig gesundheitliche Risiken.
Yoga nimmt über die Atmung in Kombination mit den Übungen Einfluss auf das Vegetativum.

Das Ziel
Ziel der Yoga- Therapie ist es, über Selbstbeobachtung, die Atmung und die Arbeit mit dem Zwerchfell, eine Beeinflussung des vegetativen Nervensystems im Sinne der Balance zu erreichen.
Der Umgang mit Stress kann erlernt werden. Dies geht einher mit dem „Abschalten“ von negativen Emotionen.
Desweiteren kann zusätzlich Einfluss auf bestimmte funktionelle Probleme der inneren Organe und des Bewegungsapparates genommen werden. Die körpereigene Wahrnehmung für Aspekte der Haltung, der Spannung und der Dehnfähigkeit der Muskulatur wird gesteigert.
Die Mobilität der Wirbelsäule kann gezielte durch Einsatz der Schwerkraft oder durch gezielte Entspannung im Sinne der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson beeinflusst werden.
Je nach den eigenen Bedürfnissen werden die Zielstellungen des Yoga variiert und angepasst.

Der Weg
• Konzentration auf Atmung und Körperfunktionen als Kommunikation mit sich selbst.
• Erlernen von Yogaatemtechniken,
• Erlernen der Einflussnahme auf das vegetative Nervensystem
• Kombination des Erlernten mit Aspekten der Haltung
• Einflüsse der Schwerkraft auf Haltung und Bewegung
• Ausnutzen der Schwerkraft für eigene Zielstellungen
• Mobilisation der Wirbelsäule, Einflussnahme auf Defizite
• Monotonisierung, Rhythmus und Meditation als Mittel der Stressbewältigung,

Relative Kontraindikationen:
vorherige Abklärung degenerative Wirbelsäulenerkrankungen und Probleme der Arteria vertebralis, erhöhterBlutdruck und psychische Störungen,

Gesunderhaltung und Stabilisierung der Persönlichkeit,
bessere Anpassungsfähigkeit und gesteigertes Selbstwertgefühl – das sind die Haupteffekte
des Yoga, wenn es regelmäßig praktiziert wird.

„Sagen Sie nicht, dass Sie keine Zeit hätten. Die Zeit ist unpersönlich, jeder hat sie.
Die Zeit ist unbegrenzt, nur Lebensprozesse laufen in festliegenden und begrenzten Zeitabschnitten ab. Das gilt vor allem für Bewusstseinsprozesse. Wer weniger bewusst lebt, tut vieles, was er nicht braucht, er erlebt vieles, was er eigentlich nicht will, er macht Fehler und muss wiederholen oder neu beginnen, also verliert er Zeit.
Zeit für sich haben und Zeit für andere haben, sind zwei abhängige Größen.
Wer nur Zeit für sich hat, isoliert sich. Wer nur Zeit für andere hat, löst sich auf.
Wer niemals Zeit für sich hat, wird mit dem Leben nicht zufrieden sein“

( Zitat: Prof. F. Klingberg, Neurophysiologe [1] )


Cornelia Smith
Physioteam SMITH & MEIER
Gemeinschaftspraxis für Physiotherapie


Moskauer Ring 2
97082 Würzburg
Tel. 0931 / 661967
www.physioteam-wuerzburg.de

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Weiterführende Literatur:

Andre van Lysebeth, Yoga für Menschen von heute, Mosaik-Verlag
Dietrich Ebert, Physiologische Aspekte des Yoga, Georg ThiemeVerlag
[1] Prof. F. Klingberg; Yoga-Broschüre, Verlag Volk und Gesundheit Berlin

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Cornelia Smith Stefanie Meier Susanne Weisenberger