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Krankengymnastik Wissenswerte Fachinformationen

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Physiotherapie bei Tinnitus

Pfeifen, Klingeln, Summen, Zischen, Rauschen, Knarren...... So oder ähnlich kann sich ein Tinnitus beim Betroffenen äußern und die Töne können sowohl laut als auch leise sein, hoch oder tief in ihrer Frequenz.
Unter einem Tinnitus versteht man Ohrgeräusche, die nur vom Betroffenen selbst wahrgenommen werden und für die es in der Regel keine äußeren Schallquellen gibt.

Die Symptome können gelegentlich auftreten und wieder verschwinden. Es gibt auch schleichende Verläufe mit gelegentlichem Auftreten bis hin zum permanentem Ohrgeräusch, jedoch kann ein Tinnitius auch plötzlich und akut entstehen. Die Ohrgeräusche treten in einem oder auch in beiden Ohren auf. Sie können kombiniert sein mit Schwindel, Hyperakusis (Geräuschempfindlichkeit) oder auch mit einer Hörminderung. Die Beeinträchtigung der Lebensqualität ist in Abhängigkeit von den genannten Faktoren sehr unterschiedlich.

Von ärztlicher Seite wird der Tinnitus in 4 Schweregrade eingestuft
.
Grad I und Grad II bezeichnet man als kompensierte Formen.
Das subjektive Ausmaß der Belastung wird als relativ gering empfunden.
Der Tinnitus wirkt hier störend bei Stress bzw. bei Belastung oder bei eintretender Stille.

Grad III und Grad IV werden als dekompensierte Formen bezeichnet.
Der Betroffene ist dauernd beeinträchtigt im Beruf und im Privatleben und erleidet zusätzliche Störungen z.B. im emotionalen oder kognitiven Bereich, mitunter bis hin zur Berufsunfähigkeit.

Entstehungsursachen:
Auf die häufigsten Ursachen für Tinnitusentstehung soll nachfolgend kurz eingegangen werden.

Lärmtrauma
Das Lärmtrauma hat mit bis zu 30 % den grössten Anteil. Konzerte und Discobesuche mit einer Lärmbelastung von mehr als 80 Dezibel können bereits ein Lärmtrauma verursachen. Aber auch Lärmbelastung am Arbeitsplatz kann auslösend sein.
Hier kommt es zu einer Schädigung der Haarzellen des Innenohres, so dass die Schallweiterleitung gestört ist.
Die sofortige Akutbehandlung durch den HNO-Arzt ist wichtig. Zumeist erfolgt eine Infusionsbehandlung mit dem Ziel der Durchblutungsverbesserung.

Hörsturz
Der plötzliche Verlust des Gehörs oder die Hörminderung wird als Hörsturz bezeichnet. Häufig ist der Hörsturz mit Ohrgeräuschen kombiniert und mitunter bleiben die Ohrgeräusche selbst nach der Heilung zurück.

Morbus Meniere
Unter Morbus Meniere versteht man einen anfallsweise auftretenden Drehschwindel, der mit Schwerhörigkeit und Tinnitus kombiniert sein kann. Die Schädigung liegt ebenfalls im Innenohr.

Probleme der Halswirbelsäule und der Kiefergelenke
Störungen im Bereich der Halswirbelsäule können einen Tinnitus erfahrungsgemäß negativ beeinflussen, treten als alleinige Tinnitusursache jedoch seltener auf. Das Kiefergelenk dagegen kann sehr wohl einen Tinnitus verursachen. Die Kaumuskulatur hat eine direkte Verbindung zur Tuba auditiva (Ohrtrompete) und jegliche Störung , welche die Spannung der Kaumuskulatur ansteigen lässt, wie z.B Pressen und Knirschen mit den Zähnen, oder auch schlecht sitzende Prothesen, stresst das Kiefergelenk auf mechanische Weise.

Welcher Art ist der Zusammenhang zwischen Tinnitus und Halswirbelsäule bzw. Kiefergelenk?

Problematisch ist, dass jegliche Störung in diesem in diesem Bereich die Durchblutungssituation verändert.
Hier gilt es zuallererst einen primären anatomischen Zusammenhang zu berücksichtigen.

Die Arteria vertebralis verläuft seitlich in enger Nachbarschaft zur Halswirbelsäule, durch Öffnungen in den Querfortsätzen, bis hoch zum ersten Halswirbel. Von dort nimmt diese Arterie dann einen etwas komplizierteren Verlauf, zieht zur Mitte der Wirbelsäule und tritt durch das große Hinterhauptsloch in den Schädel ein.(Abbildung)
Von dieser Arterie wird u.a. die Halsmuskulatur, das Rückenmark, die Wirbelkörper, das Kleinhirn (Sitz des Gleichgewichtssinnes und der Koordinations- fähigkeit) und Teile des Groß- und Mittelhirns versorgt.

Außerdem gibt es von der Arteria Vertebralis Abzweige, die das Innenohr versorgen. ( Teil des Gleichgewichtsorgans)


Funktionelle Störungen in der Kopfgelenksregion, wie auch degenerative Prozesse an der Halswirbelsäule beeinträchtigen fast immer auch die Durchblutungssituation in den Versorgungsgebieten der Arteria Vertebralis.
Das hat vor allem eine Bedeutung für das Innenohr und das Kleinhirn.

Außerdem ist diese Arterie von einem Nervengeflecht umgeben, welches dem vegetativen Nervensystem zuzuordnen ist. Das vegetative Nervensystem funktioniert autonom, d.h. unabhängig von unserem Willen. Es regelt alle Steuerungsaufgaben, wie z.B. die Durchblutung, den Spannungszustand des Bindegewebes und der Muskulatur, die Empfindlichkeit von Schmerzrezeptoren, das Schwitzen usw. Daraus leitet sich ab, dass eine mechanische Reizung dieses Nervengeflechts durch Halswirbelsäulenprobleme zu „ Spasmen“ im Bereich der Arteria Vertebralis führen kann mit den beschriebenen Folgen der Minderdurchblutung.

Kiefergelenksprobleme kommen, wie schon besprochen, als Verursacher für Tinnitus in Frage.
Der Nervus trigeminus, welcher das Kiefergelenk versorgt, hat Ursprungskerne im Bereich der Kopfgelenke, so dass sich beide Probleme neurophysiologisch wechselseitig beeinflussen können.

Auch ein rein mechanischer Zusammenhang über Haltungsgewohnheiten ist gegeben. Beide Regionen, Kiefergelenk und Halswirbelsäule, sind deshalb immer im Zusammenhang zu betrachten und zu behandeln.

Als weitere Ursache sei auch noch die stressbedingte Spannungserhöhung im Bereich des Schultergürtels und der Halswirbelsäule genannt.

Sowohl die Störung der vegetativen Steuerung, als auch Kiefergelenksprobleme und die stressbedingten Spannungserhöhungen haben in der Endkonsequenz eine Minderdurchblutung zur Folge und können so einen bestehenden Tinnitus negativ beeinflussen, in einigen seltenen Fällen auch auslösen.

An eine mögliche Beteiligung der Halswirbelsäule ist immer dann zu denken, wenn Symptome wie Kopf-und Nackenschmerzen, Schwindel und Hörstörungen, mitunter auch bewegungsabhängig auftreten und durch den HNO-Arzt oder den Neurologen keine auslösenden Ursachen diagnostiziert werden konnten
In der Regel wird dann eine orthopädische Untersuchung erfolgen, um den Tinnitus weiter abzuklären.

Die vorgestellten Zusammenhängen führen zu entsprechenden Behandlungsansätzen in der Physiotherapie und in der Osteopathie.

Spezifische Behandlung der Funktionsstörungen der Halswirbelsäule und des Kiefergelenks, sowie der damit im Zusammenhang stehenden Funktionsketten und Störungsmechanismen.
Dies erfordert eine umfangreiche Funktionsanalyse unter Einbeziehung der Wirbelsäule, des Beckens und der unteren Extremitäten.

Behandlung von Muskelspannungsstörungen
Massagen, möglichst in Kombination mit Naturmooranwendungen zur Durchblutungsverbesserung und Spannungsreduzierung

Stessbewältigungsstrategien
Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen (Physiotherapeuten) oder Einflussnahme auf das vegetative Nervensystem über Yoga- Atemtechniken ( durch Physiotherapeuten)
Autogenes Training (Psychologen oder Ärzte)

• Cranio-Sacrale Therapie
Zur Behandlung von Spannungsproblemen im Bereich des Schädels, der Hirn- und Rückenmarkshäute (Dura).
Auch hier mindert eine übermäßige Spannung die Versorgung der Strukturen im Schädel

Natürlich stellt Physiotherapie nur einen Baustein im Gesamtkonzept der Tinnitusbehandlung dar.
Insbesondere bei chronischen Tinnitusformen kommen Bewältigungsstrategien zur Anwendung, wie z.B.Musik-und Hörtherapie oder Tinnitus-Retraining-Therapie.
Diese Strategien sollen dem Betroffenen ermöglichen, das Ohrgeräusch ins Unterbewusstsein zu verlagern.
Eine weitere Alternative ist die Behandlung in einer psychosomatischen Klinik.

Wichtig ist für den Patienten in erster Linie die Aufklärung durch den Arzt. Als hilfreich hat sich auch der Kontakt mit Selbsthilfegruppen erwiesen. (www.tinnitus-liga.de)

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Cornelia Smith
PHYSIOteam WÜRZBURG
Gemeinschaftspraxis
für Physiotherapie,

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